Die Form muss sich ändern!
Berichte und Grußworte aus den Jahren 2009-2023
Im Jahr 2015, während ich intensiv an meiner Doktorarbeit schrieb, verbrachten wir im Rahmen eines Forschungssemesters drei Monate in Vancouver, Kanada. In dieser Zeit konnten wir unsere ehemalige Ausbildungsstätte, das Regent College, erneut besuchen und dort arbeiten. Es war eine interessante Zeit, vor allem weil wir außerhalb unseres üblichen (akademischen) Alltags waren. Damals war ich als stellvertretender Studienleiter Teil der Schulleitung des TSR. Gegen Ende unseres Aufenthalts erhielt ich eine unerwartete Anfrage vom damaligen Rektor, Klaus Schmidt. Er fragte mich, ob ich seine Position übernehmen würde. Klaus war gefragt worden, Direktor der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland zu werden, und wollte einen reibungslosen Übergang am Seminar gewährleisten, bevor er diesen Schritt vollzog.
Sein Angebot überraschte mich und leitete eine intensive Phase der Reflexion ein. Es kam jedoch auch zum richtigen Zeitpunkt. Die Distanz durch das Sabbatical ermöglichten es meiner Frau und mir, als Paar und Familie, unser Engagement in Deutschland und unsere Beteiligung an Neues Leben und dem TSR intensiv zu durchdenken.
Diese Zusammenkunft der Umstände fühlte sich wie ein "Kairos"-Moment an – ein guter und günstiger Zeitpunkt. Dennoch brauchte es noch viel Gebet und viele Gespräche, bis bei mir Klarheit und Frieden darüber entstanden, dass dies der richtige nächste Schritt für mich und meine Familie war.
Der Übergang selbst verlief sehr positiv. Klaus gab mir Raum, meine eigenen Akzente zu setzen, ja sogar meine eigenen Fehler zu machen, und gab mir viel Freiheit, Dinge zu gestalten und zu entwickeln. Dafür bin ich unglaublich dankbar.
In allen Veränderungen seither ist unsere Leidenschaft gleich geblieben für:
* Unseren Herrn Jesus: Er ist das Zentrum von allem, was wir tun
* Die Bibel: Wir sehen sie als ein Geschenk, das uns in einer Welt voller Unsicherheit Klarheit und Zuspruch gibt. Sie offenbart, wer Gott wirklich ist – dass Er gut, vertrauenswürdig, liebenswert und unserer Anbetung würdig ist
Wir haben auch den Herzschlag, den Klaus und das Kollegium seit 1985 geprägt haben, weitergeführt: den Blick auf die Gemeinde und ihre Menschen. Unser Ziel ist es, Einzelpersonen nicht nur zu befähigen theologisch zu denken, sondern ihren Glauben auch so ausdrücken zu können, dass Menschen diesen verstehen können.

Achtzehn Jahre als Dozent für Praktische Theologie am TSR haben mich geprägt. Vielleicht erinnert sich mancher an Unterrichtsstunden in „Jugendarbeit“, „Mentoring“ oder „Recht und Aufsichtspflicht“. Besonders intensiv waren für mich die Praktika: Abenteuercamp, Englischcamp – Orte, an denen Inhalte sofort auf den Alltag treffen. Davor war ich selbst vier Jahre Seminarist am TSR: gründliche Theologie, tragfähige Gemeinschaft, Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Später habe ich die Seiten gewechselt und versucht, genau diese Mischung weiterzugeben: theologisch klar, persönlich nah, praktisch umsetzbar. Vor allem wollte ich praktisch gelebten Glauben weitergeben.
Am meisten bewegt mich bis heute, wenn ich ehemalige Seminaristen im Dienst treffe: Jugendpastoren, Gemeindereferenten, ehrenamtliche Mitarbeiter. Leiter, die nahe an Jesus und nah an Menschen bleiben, die Verantwortung gern tragen – als Ausdruck ihrer Liebe zu Jesus. Ein Rückblick bedeutet für mich auch, dass ich am TSR Carola kennengelernt habe, mit der ich nun seit 27 Jahren verheiratet bin. Das TSR ist insgesamt ein Ort, an dem ich viele starke Begegnungen mit tollen Menschen hatte. Es war der Ort, an dem Glaube und Leben geformt wurden.
Liebe Grüße
Christian Holfeld, Gemeindecoach (Churchmove.de)

Als Teenager träumte ich davon, eines Tages nach Brasilien zu gehen und in einem Fußballprojekt zu arbeiten. Deshalb entschied ich mich zunächst für Abitur mit integrierter Ausbildung zur Erzieherin. Als dieses Kapitel sich dem Ende zuneigte, hörte ich zum ersten Mal von der theologischen Ausbildung mit Schwerpunkt Sportmission am TSR – und wusste sofort: Das ist mein nächster Schritt.
Seit 2013 bin ich nun vollzeitlich bei der internationalen Fußballmissionsorganisation Ambassadors Football tätig. Zwar war ich bis heute noch nicht in Brasilien, dafür aber in vielen anderen Ländern dieser Welt unterwegs.
Die zwei Jahre am TSR waren für mich in vielerlei Hinsicht prägend: Persönliches Wachstum im Miteinander, eine Erweiterung meines Horizonts im Bereich Sportmission und eine solide biblische Grundlage. Besonders bedeutend war für mich die Erfahrung, wie Christen trotz unterschiedlicher Gemeindehintergründe und theologischer Nuancen in den zentralen Glaubensfragen an einem Strang ziehen können – eine wertvolle Vorbereitung für meinen weiteren Weg.
Auch über meinen Abschluss im Jahr 2012 hinaus sind die Dozenten, Mitarbeitenden und Mitstudierenden ein bleibender Segen für meinen Glauben und mein Leben.
Gott sei Dank für 40 Jahre TSR – und für alles, was Er durch diese Arbeit weltweit bewegt!

Schon während des Studiums am Neues Leben Seminar habe ich meine Berufung zurück in die Großstadt Berlin verspürt. Dort war ich zuvor als Student zum Glauben gekommen. Christine, meine Frau, ließ sich mit der Heirat auch auf meine Stadt-Leidenschaft ein, wofür ich ihr immer noch sehr dankbar bin. Wir durften nach dem Studium ehrenamtlich das christliche Stadtteilprojekt breakout in Berlin-Kreuzberg gründen, das bis heute mit viel Elan und guten Mitarbeitenden am Start ist. Hauptberuflich war ich viele Jahre in der christlichen Medienarbeit aktiv. Nachdem ich in London und Berlin weiterstudiert und schließlich promoviert hatte, wurde ich vom TSR angefragt, ob ich nicht an der Entwicklung eines Studienprogramms im Bereich Urbane Mission in Zusammenarbeit mit der Universität von Südafrika mitarbeiten wolle. Ich nahm diesen Auftrag an und unterrichtete in den folgenden Jahren Blockseminare im Bereich Urbane Missiologie, Theologie und Soziologie, meist in Berlin. Dazu gehörten immer auch Exkursionen und Projektbesuche. Parallel gründeten wir im Team weitere missionale Projekte wie zwei Galerien in Berlin-Mitte oder ein Fresh X-Projekt. 2014 konnten wir dann in Partnerschaft mit dem Stadtnetzwerk Gemeinsam für Berlin das heutige Berliner Institut für urbane Theologie (BIT) an den Start bringen und ich übernahm auch die Studienleitung für das Akademische Aufbauprogramm Urbane Mission.
Als sich dann um 2022 fürs TSR die Möglichkeit einer Kooperation mit der Kairos University ergab, sprang bei mir der Funke schnell über. Es ergaben sich so viele neue Möglichkeiten für Studierende, auch im städtischen Raum. Bis heute bin ich sehr begeistert von diesem mentorenbegleiteten, kompetenzbasierten Studienansatz und bringe meine Liebe für Gottes Mission in der Stadt auch hier ein. Als Urbaner Missiologe und Theologe bin ich gern an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis unterwegs. Neben der Arbeit fürs Seminar und die Hochschule bin ich also weiter mit kleinerem Stellenanteil Pastor und in der christlichen Vernetzung im Städtebereich auch auf europäischer Ebene aktiv. Mein Herz schlägt weiterhin kräftig für Jesus und seine Mission. Ich blicke dankbar zurück und erwartungsvoll nach vorn.

An meine zwei Jahre am TSR (2012-2014) denke ich sehr gerne zurück. Es waren zwei intensive Jahre voller toller Begegnungen mit Menschen, Eintauchen in theologische Wahrheiten, Lernen von neuen Inhalten und Sprachen, gutem WG-Leben und einem tollen Campus-Leben. Ich habe es geliebt, dass im ganzen Dorf und den umliegenden Ortschaften offene WGs waren, in denen man spontan vorbeikommen und Gemeinschaft über die unterschiedlichen Jahrgänge hinweg leben konnte. Es war einfach immer etwas los :) Die gemeinsame Kaffeepause vormittags mit etwa 100 Studis, unseren Willkommens-Streich zu Beginn des Studiums, nächtelanges Arbeiten an Exegesen und Hausarbeiten in der Bib mit anderen Semis, meinen Job in der Bib und auf Messen sind mir sehr positiv in Erinnerung geblieben. Sowohl die hohe Fachexpertise und die offenen Häuser unserer Dozent:innen als auch meine Mitarbeit in der Gemeinde in Altenkirchen mit vielen coolen (spontanen) Aktionen in der Jugend waren genial. Während meiner TSR-Zeit habe ich viele tolle Menschen kennengelernt und einige Kontakte und Freundschaften bestehen immer noch. Ich habe meine Semi-Zeit sehr geliebt und würde es sofort wieder so machen. Das hohe Niveau der Ausbildung hat mir sehr gut gefallen und mich überdurchschnittlich auf die anschließende Uni-Zeit vorbereitet. Das erworbene theologische Wissen konnte ich bisher sehr gut bei meinen ehrenamtlichen Einsätzen (z.B. Adonia, Hochschul-SMD) und in Gesprächen einsetzen. Herzlichen Dank an alle für diese tolle und prägende Zeit!

Das Theologische Seminar Rheinland war Wegbegleiter in Stürmischen Zeiten. Zwischen Studienbeginn und Absolvierung ist unglaublich viel passiert. Und ohne das christuszentrierte Studium, den tieferen Einblick in die Bibel und die eigene Persönlichkeit, wäre ich heutzutage vermutlich kein Pastor und Promotionsstudent geworden. Die Begleitung durch die Dozierenden, die Begegnungen mit den anderen Studierenden und die frische und sich verändernde Art und Weise der Begegnung mit Jesus durch das Studium sind eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen will! Auch, wenn nun ein Studium vor Ort nicht mehr möglich ist, so heißt das nicht, dass diese Art von Transformation – fachlich und persönlich – nicht mehr möglich wäre. Durch viele Kooperationen und digitale Möglichkeiten sind auch die Chancen gewachsen, Begeisterung für Jesus in professionelle Bahnen zu lenken und somit diese Begeisterung zu multiplizieren. Das TSR ist unter den Stürmen der Zeiten nicht zerbrochen, sondern hat die Segel gesetzt und durch Gottvertrauen und Innovation neue Wege beschritten, die auf andere Art und Weise Früchte hervorbringt. Und ich bin gespannt, was für Geschichten Gott weiterhin schreibt – so wie das TSR ein wichtiger Teil meiner Geschichte war.

Anfang 2019 kam der Schock: In Rheinland-Pfalz muss ein Minimum von 8 Personen für einen Kurs eingeschrieben sein, damit er begonnen werden darf. Wir hatten aber für das 4-jährige Programm nicht so viele Anmeldungen und durften daher keinen neuen C-Kurs beginnen. Das war erstmal eine schwer verdauliche Nachricht für uns.
Gleichzeitig bot sich mit dem Kontakt zum Baptist Theological College in Johannesburg/Südafrika eine neue Möglichkeit: ein Traineeprogramm, das mit einem offiziellen Bachelor in Biblical Studies von BTC abgeschlossen werden kann. Wir haben festgestellt, dass unsere beiden Schulen und ihre Programme grundsätzlich gut zusammenpassen und wir vieles gemeinsam haben. BTC hatte außerdem schon einige Erfahrung mit Online-Programmen, die wir nutzen konnten. Trotzdem war es viel Arbeit die Kurse zusammenzuführen und das Traineeprogramm in allen nötigen Einzelheiten auszuarbeiten. Das Ergebnis aber konnte sich sehen lassen: Wir hatten ein Programm gestaltet, das mit den zwei Jahren Präsenzzeit (B-Kurs) am TSR eine gute theologische und persönliche Grundlage legte. Die zwei folgenden dualen Jahre bauten mit Onlinekursen und drei Präsenzzeiten im Jahr inhaltlich darauf auf und boten durch das Praktikum gleichzeitig einen begleiteten und damit „sanften“ Einstieg in den Beruf – eine ideale Kombination, wie uns auch von Trainees wie Praktikumsgebern oft gespiegelt wurde. Trotzdem hat das Programm (wohl auch durch die Corona-Zeit) nicht die erhoffte Menge an neuen Semis angezogen (9 Absolventen in 2 Jahrgängen).
Wir als Dozenten haben durch das Traineeprogramm unsere ersten Erfahrungen mit einem Online-Programm gemacht, viele Videos gedreht und Kursbücher ausgearbeitet. Außerdem haben wir auch einzelne Trainees als Mentoren intensiv begleitet. Im Nachhinein denke ich, waren diese Jahre mit dem Traineeprogramm und BTC in vielerlei Hinsicht eine gute Vorbereitung für die heutige Zusammenarbeit mit der Kairos University.

Ich war einer der wenigen Seminaristen, die im letzten Präsenzjahrgang 2021 am TSR teilnahmen. Gleichzeitig gehörten wir zu den Jahrgängen, die die Coronazeit am TSR durchleben mussten.
Trotz kleiner Gruppe und Einschränkungen war meine 2-jährige Studienzeit unvergesslich. Das Leben mit meinen Mitstudenten, den Dozenten, den NL-Mitarbeitern, den Auszubildenden und FSJlern möchte ich nicht missen. Jede Begegnung, jeder Austausch über Gott und Sein Wort, jede Freizeit und jede Alltagssituation im WG-Leben hat mich geprägt.
Gott hat diese Menschen und Momente gebraucht, um mich zu formen. Sie haben mich zu einem Mann gemacht, der Gott und Sein Wort liebt, erforscht, verteidigt und mit anderen teilt – nicht, weil ich so großartig wäre, sondern weil Gott gnädig ist.
Im Rückblick kam mir immer wieder die Frage in den Sinn: „Wie hat der Unterricht dazu beigetragen, dass Gott selbst mich verändert hat?“ Meine Antwort darauf begeistert mich bis heute: Gott und Sein Wort standen im Unterricht – explizit oder implizit – fast immer im Zentrum. Ob in Einführung in AT & NT, Griechisch, Hebräisch, Kirchengeschichte, Familien- & Sexualethik, Methoden des Bibelstudiums, Glaubenslehre, Geistliches Leben, Heilsgeschichte und vielem mehr: Gott und Sein Wort wurden hochgehalten.
Dadurch wurde unser HERR verherrlicht, weitergegeben, vorgelebt – und groß in meinem eigenen Herzen. Danke für all euren Einsatz an uns Seminaristen!
Herzliche und segensreiche Grüße, Tom Ihlenburg

Man hörte Geschichten von Zeiten mit über 100 Seminaristen, von üblen Streichen und wilden Feiern. Doch als Teil des letzten Präsenzjahrgangs am TSR (im 2. Jahr 6 Personen), erinnere ich mich an eine gute Klassengemeinschaft, an Dozenten, die ein offenes Haus hatten und uns zu sich eingeladen haben. Durch die kleinen Klassen gab es auch besonders gute Begleitung in Fächern wie Hebräisch, bei denen wir zu zweit unterrichtet wurden. Ich erinnere mich an wöchentliche Tacco Tuesdays bei Daniel und Rebekah Hodges mit tiefen Gesprächen und dem Wettkampf, ob man schon mit 5 oder doch erst mit 7 Wraps den Rekord hat. Erwähnenswert ist auch unser 24h Londontrip mit der GL-Gruppe um Scott Way, der einen über 30.000 Schritte Marsch und ein Sleepover am Flughafen beinhaltete. Ich bin dankbar für die zwei Präsenzjahre am TSR, die Beziehungen die zu den Dozenten, Semis und auch Leuten im Westerwald entstanden sind. Ich bin dankbar, dass nicht das ganze Studium online stattfand, auch wenn Kairos super in meine jetzige Situation passt.

Weitere Berichte und Grußworte
Von Gnade durchzogen - 40 Jahre TSR





Seite teilen: