Die Anfangsjahre des NLS

Von der Gründung bis 1990

"Das Seminar ist eröffnet!"

Persönliche Berichte und Grußworte aus den ersten Jahres des Seminars

 

 

„NEUES LEBEN Seminar eröffnet –  
ein neuer Zweig an einem Baum im evangelikalen Wald“ 

„Der Evangelist Anton Schulte eröffnete […] am 29. September 1985 das NEUES LEBEN-Seminar in Wölmersen. Der Bibelschulleiter, Peter Schulte, stellte die 24 Seminaristen (9 Frauen und 15 Männer) im Durchschnittsalter von 23 Jahren sowie die ersten fünf vollzeitlichen Lehrer vor. Die Schüler kommen aus Deutschland, Österreich, Peru und Iran. 

Anton Schulte eröffnete das Seminar mit den Worten „Dreißig Jahre lang habe ich auf diesen Tag gewartet. Schon bei der Gründung des Missionswerkes war in der Planung und in der Satzung eine Ausbildungsstätte vorgesehen. […) In sechs Punkten umriss Anton Schulte die Zielsetzung des NEUES LEBEN-Seminars:  
1. Eine Schule des Glaubens, in der Gottesfurcht gelehrt und mit der Wirksamkeit des Heiligen Geistes gerechnet wird. […] 
2. Eine Schule der Bibel, bei der das Wort Gottes absoluter Maßstab für Lehre und Leben ist. 
3. Eine Schule der Evangelisation […]Das Entscheidende ist die Frucht: nämlich von Christus errettete und veränderte Menschen. 
4. Eine Schule der Gemeinde, denn Ziel einer Bekehrung ist unter anderem, dass der Mensch sich einer christlichen Gemeinde anschließt. […] 
5. Eine Schule der Theologie, die die geschichtlichen und gegenwärtigen Strömungen erkennt und beurteilt. 
6. Eine Schule der Mission, denn Mission ist die Sendung in alle Welt. Aber auch Deutschland ist Missionsland.“ 

Wir waren Anfang der 1980er mit Anton Schulte in Amerika beim Moody Bible Institut. Dort haben wir unter anderem an einer Live-Sendung ON AIR teilgenommen. Wir standen im Hof des Moody Instituts und uns wurde die Arbeit vorgestellt. Bei dieser Gelegenheit sagte Anton Schulte: das fehlt uns in Deutschland. Nach den Groß-Evangelisationen ist es jetzt Zeit für die Ausbildung von Evangelisten und Pastoren, die die evangelistische Arbeit mit den Gemeinden weiterführen. 

Zurück in Deutschland begannen wir die Grundlagen für eine Bibelschule vorzubereiten. Das Neues Leben-Seminar, wie später die Bibelschule genannt wurde, war ein schwieriger Start. Im Bruderrat fürchtete man die Kosten für jede Ausbildung: Pro Person ca. 70.000 DM. 

Aktuell hat das TSR über 100 Studierende und viele neue Mitarbeiter und es werden durch das TSR inzwischen viele Studierende online betreut. Welch große Chance hat das TSR heute immer noch auf Evangelisation und Mission in Deutschland und der Welt. Ich möchte ihm weiterhin Gottes Segen wünschen und bin gewiss, dass es unter dem Bibelwort steht: „Gottes Wort wird nicht leer zurückkommen.“ 

Herzliche Glück- und Segenswünsche zum 40-jährigen Bestehen des TSR. 

Mit der Gründung des Seminars erfüllte sich ein Herzenswunsch von Anton Schulte, den er schon lange mit sich herumtrug. Er sah vor seinem inneren Auge schon das Zentrum mit einer theologischen Ausbildungsstätte an dem Ort, wo es heute steht.  

Als er den Gedanken im Beirat (damals Bruderrat) äußerte, war die Frage, ob es denn sinnvoll sei, neben den bestehenden Ausbildungsstätten noch eine weitere zu eröffnen. Nach Antons Vorstellung sollte der Schwerpunkt der Ausbildung zum „Evangelisten“ liegen. Das war ein Alleinstellungsmerkmal. Anton Schulte war immer daran interessiert, junge Menschen zu lehren und zu befähigen, die frohe Botschaft des Evangeliums zu verbreiten.  

Er konnte sich auch schon den Leiter des Seminars vorstellen: Klaus Schmidt, der sich damals mit der Übersetzung der Paulusbriefe für die Genfer Bibelgesellschaft beschäftigte. Ich entsinne mich noch daran, dass ich damals bei mir dachte, ob der vielleicht noch zu jung ist für diese Aufgabe? Aber es war die absolut richtige Entscheidung. Mit ihm etablierte sich das Seminar und wurde zu dem, was es heute ist: das „Theologische Seminar Rheinland“, mit vielen engagierten Dozentinnen und Dozenten und vielen Absolvierenden, die in ihren Gemeinden zum Segen wurden. 

Gott segne das Seminar auch weiterhin und alle, die mitwirken und ausgebildet werden. 

 

Für Elly und mich war das Neues-Leben-Seminar ein echter Sechser im Lotto – hier haben wir uns kennengelernt, verliebt und am Ende sogar geheiratet. Wir kamen nicht nur fürs Lernen😊.  Einmal wurden wir von Dr. Jürgen Bonßdorf ernsthaft ermahnt, uns doch stärker auf den Unterricht zu konzentrieren. Damals war das noch nicht auf allen Bibelschulen erlaubt – also danke, liebes NLS, für diese Freiheit! 😊  

Von jedem Lehrer konnten wir etwas mitnehmen: der eine mit seiner Liebe zur Bibel, der andere mit seinen Emotionen, einer glänzte mit einem perfekt strukturierten Unterricht und ein anderer mit seinem Blick für den einzelnen. Jeder hat bei uns Spuren hinterlassen – und dafür sind wir bis heute dankbar. Besonders geprägt hat uns der „Geist der Freiheit und Menschenfreundlichkeit“ bei Neues Leben. Für uns, die wir aus eher konservativen Gemeinden und Familien kamen, war das eine echte Befreiung. Danke auch an Anton Schulte, der das Problem der Gesetzlichkeit messerscharf erkannt und uns einen fröhlichen Glauben vorgelebt hat. Sein Satz „Der Inhalt muss bleiben, die Form muss sich ändern“ begleitet uns bis heute – ob in der Gemeinde oder in meinem (Markus) Missionsdienst in Kasachstan. Damals wollten wir nach Afrika – Kontakte und Gespräche mit Missionsgesellschaften hatten wir schon. Aber dann kam Wilfried und lockte mit Kanada 😊. Er überzeugte uns bei NL zu bleiben – und das haben wir nie bereut.  

Meine TSR -Zeit- eine bewegende Zeit 

Was die theologische Ausbildung am -damals noch NEUES LEBEN-Seminar betrifft, 
waren meine Erfahrungen sicherlich vergleichbar mit denen meiner Mitschüler. Das Ungewöhnliche kam danach: Die Anfrage von Peter Schulte 1990, ob ich mir vorstellen könne, die Sekretärin für Klaus Schmidt, dem neu ernannten Studienleiter, zu werden. 
Diese Anfrage kam für mich sehr überraschend und ganz unerwartet.  Erstens wusste ich nicht, dass diese Stelle frei war und zweitens hatte ich ganz andere Pläne. Es stand schon länger fest, dass ich nach der Absolvierung, zusammen mit Freunden, im Oberallgäu bei einem Gemeindeaufbauprojekt mithelfen würde.  
Nach einer Zeit des Überlegens und Betens konnte ich aber doch JA sagen. Als ausgebildete Arzthelferin, waren mir Verwaltung von Daten, Organisation von Abläufen und vor allem der Umgang mit Menschen, nicht fremd. Von daher passte das gut zu meinem Gabenprofil. 
In diesen zwei Jahren im Vorzimmer von Klaus Schmidt ist es mir nie langweilig geworden. Die bürotechnischen Herausforderungen gingen mit der Zeit leichter von der Hand. Die Scherze seitens meiner lieben Kollegen, die sich meine Unerfahrenheit im Umgang mit dem Computer doch so manches Mal und sehr gern zu Nutze machten, trugen immer zur Abwechslung bei. 
Die Aufgabe, mich mit den Schülern auseinanderzusetzen, war mir eine große Freude und Segen. Ich war oft das Verbindungsglied zwischen Schülerschaft und Lehrern, weil ich beide Welten kannte und vermitteln konnte. Ich durfte eine gute, enge Zusammenarbeit erleben und Freundschaften, vor allem mit Klaus, Hansi und Peter, genießen. Sie haben mir mit vielen guten Ratschlägen und Hilfestellungen in so manch einer schwierigen Situation weitergeholfen. Die enge Verbindung zu den Semis war natürlich auch ein Segen. Herz und Tür standen immer offen. Dass es immer auch ein Stück Schokolade gab, hat so manche Begegnung noch versüßt. 

Ach ja, und weil es so schön war, bin ich nach 17 Jahren wieder an den „Tatort“ zurückgekehrt:  
Mein Mann Scott und ich sind nach unserer Heirat im Sommer 1992 in die Staaten gezogen, haben dort eine Familie gegründet. Nachdem Scott dann sein Theologiestudium beendet hatte und sich ihm bei Neues Leben eine Stelle als Dozent anbot, sind wir 2009 nach Deutschland zurückgezogen. Nachdem die damalige Sekretärin ganz plötzlich wegen Krankheit permanent ausfiel, konnte ich meine alte Stelle wieder besetzen und habe das auch bis 2023 sehr gern gemacht.  

Im Rückblick kann ich nur bestätigen, dass mein Ja für die Stelle im Sekretariat die richtige Entscheidung war, die mein weiteres Leben geprägt und meinen Weg entscheidend beeinflusst hat.

Hier kommt meine Geschichte, wie ich 1990 zum Neues Leben Seminar gekommen bin: Ich hatte mich mit einer weiteren jungen Person 1990 aus meiner Heimatstadt in der ehemaligen DDR nach einer persönlichen Berufung beim Neues Leben Seminar beworben. Das war zu einem Zeitpunkt, als wir in der DDR noch vor der Währungsunion kein Westgeld besaßen. Das bedeutete praktisch, dass ich in meinen Trabi noch einen 50 Liter Spritkanister stellen musste, da ich ja hier nicht tanken konnte und auch eine größere Portion an Schnittchen mitnehmen musste, da wir unterwegs nichts zu essen kaufen konnten. Nach einer guten Hinfahrt und einer erfolgreichen Vorstellung bei Klaus Schmidt und Hansi Wünch, traten wir nach einer Nacht den Rückweg an. Die Autobahn A4 war damals noch nicht durchgängig, so dass wir unten durch das Tal an der ehemaligen Grenze durch einen Wald geleitet worden sind. Tatsächlich entkamen wir nur knapp einem Zusammenstoß mit einem Wildschwein, was dem Trabi nicht wirklich gut getan hätte. Als wir dann wenige Tage später die Zusage erhielten, merkten wir zu Studienbeginn im Herbst 1990, dass wir der größte Jahrgang waren, auch deshalb, weil zum ersten Mal noch mehrere aus der ehemaligen DDR mit uns zusammen begonnen hatten. Und so ergab es sich auch, dass wir in der Folgezeit öfters zu fünft in dem kleinen Trabi saßen, um übers Wochenende nach Hause zu fahren. Wir versuchten mit beschlagenen Scheiben und wenig PS diese große Strecke von knapp 600 km zu meistern. Es war eine spannende, aber auch schöne Zeit.  

Wer wird die Menschen hier und anderswo, die sich zunehmend vom christlichen Glauben abwenden, mit dem Evangelium erreichen? 

Diese Frage war einer der auslösenden Momente für die Gründung des Neues Leben-Seminars vor nunmehr zehn Jahren. […] 

Damals bekamen wir viele Anfragen von kritischen Zeitgenossen: Ist denn das wirklich nötig? Gibt es nicht schon genug solcher Ausbildungsstätten? Warum noch was Neues anfangen? 

Inzwischen sind 10 Jahre vergangen. Manche der kritischen Stimmen gibt es immer noch - viele sind verstummt, weil das NLS seinen Platz auf dem Feld der theologischen Ausbildung in diesem Bereich gefunden hat. Heute haben wir einen Stamm von ca. 10 Lehrern, die regelmäßig Unterricht geben. Von Ende September bis Mitte Juni ist das Neues Leben-Zentrum für das Seminar in Beschlag genommen.  

Das Neues Leben-Seminar bereitet Menschen darauf vor, das Evangelium zeitgemäß zu verkündigen. Es steht Christen verschiedener Konfessionen offen.  

Wir haben hier Seminaristen aus allen - fast allen Gemeinden. Das ist nicht immer ganz ohne Probleme. Manche sind ja in einem Umfeld aufgewachsen, in dem sie lernten: Nur diejenigen, die solche Formen haben wie wir, sind richtig gläubig. Und da gehört es zu den wichtigen Erfahrungen, Christen kennenzulernen, die manches anderes machen und die doch treue Diener Jesu sind. 

Von den 200 Absolventen, die in den letzten Jahren bei uns waren, sind viele heute im geistlichen Dienst: als Evangelist, als Pastor oder Prediger, als Missionar in Europa oder Übersee, als CVJM-Sekretär, als Gemeindehelfer, als Jugendwart usw. Andere sind in ihren Beruf zurückgekehrt, um Jesus dort effektiver zu dienen.  

Grundlage des Unterrichts am Neues Leben-Seminar ist und bleibt die Heilige Schrift. Sie ist verbindlicher Maßstab in allen Fragen des Denkens und Handelns.  

10 Jahre sind kein Grund, sich auf die Schulter zu klopfen. Sie sind eher ein Grund zur Besinnung und ein Grund, Gott zu danken für das, was in den letzten 10 Jahren gewesen ist. 

Weitere Berichte und Grußworte

Von Gnade durchzogen - 40 Jahre TSR